Das Dorian Gray ist am zum bersten gefüllt, die Tanzfläche flimmert, ein Strobo wabert über die Szenerie, ansonsten ist es stockdunkel und fast mystisch still, nur flüstern hört man und das obwohl fast 3.000 Menschen sich in den großen Club des Tanztempels gedrängelt haben und nun warten, warten dass es weiter geht, weiter mit der Musik. Mitten in dieser Szenerie wird ein Band eingelegt und man hört über die Lautsprecher ein klackern, als wenn jemand ein überdimensionales Musikband eingelegt hätte. Dann geht es los. Ein Paukenschlag, nein ein Donnern, einmal, zweimal, die Tanzfläche, nein das gesamte Dorian Gray hebt ab. Wie ein kalter Schauer mischt sich die Dunkelheit mit dem grauen Nebel und der gesamte Laden fängt an bombastisch zu vibrieren. Der Song Mr. Vain von Culture Beat erlebt an diesem 08.04.93, einem Ostern-Donnerstag zur Spring Rave-Party seine Premiere.
Die Gäste im Gray nicken, das muss es sein, das muss der Techno der Zukunft sein und dieser Song muss ein Hit werden. Und tatsächlich: Techno-Musik hat sich wieder selber übertroffen, weiter raus aus der Nische, Techno ist zu einer Jugendbewegung avanciert. Culture Beat ausgestattet mit einem Rapper und der Sängerin Tania Evans bleibt neun Wochen lang Spitzenreiter in den Deutschen Charts. Das gab es noch nie. Techno ist kein Untergrund mehr. Techno ist Pop. Techno ist In. Sehr In sogar. Was 1989 als undergroundiger Sound begann, ist fünf Jahre später zu einem Massenphänomen geworden. Culture Beat und der Song „Mr. Vain“ waren vielleicht ein letztes Ausrufezeichen. Denn viele Wegbereiter der Techno-Kultur hatten sich zu dieser Zeit schon von der Musik abgewendet. Zu schmerzhaft war die Entwicklung der letzten Jahre. Die eingeschworene Techno-Community wurde förmlich überrollt. Überrollt von einer Entwicklung die als Lehrstück für kommerzielle Auswüchse in der Musikindustrie herhalten kann. Für Musik und Partys sorgten jetzt nicht mehr die Mitstreiter der Techno-Community, sondern Eventmanager und gestrandete Musiker, die eine schnelle Mark machen wollten. Das Techno-Publikum musste sich nun die Tanzfläche mit Mode-Fans teilen und mit einem Publikum, das mehr auf Drogen als auf die Musik abfährt. Mr. Vain machte das Tor auf. Weiter auf als bisher. Der Kommerz war nicht mehr abwendbar. Doch Mr.Vain gab Hoffnung: Es gibt also auch gute kommerzielle Musik. Kommerz und Techno waren also doch möglich. Mussten sich nicht also zwangsläufig ausschließen. Aber die Techno-Szene täuschte sich. Die musikalische Qualität von "Mr. Vain" konnte nicht mehr erreicht werden. Der aus Darmstadt stammende Torsten Fenslau, starb wenige Monate später – auf dem Zenith seines Erfolges infolge eines tragischen Unfalls.
Euro-Dance war geboren, aber es konnte keine Symbose mehr aus tanzbaren Techno und massentauglichen Kommerz-Sound gefunden werden. Euro-Dance entwickelte sich größtenteils zu einer erfolgreichen aber peinlichen Lachnummer, Angewiedert sprachen viele Techno-Jünger der alten Schule nun von Kirmes-Techno. DJ´s, die Torsten Fenslau wegen seiner kommerziellen Richtung kritisierten produzierten nun auch fleissig Euro-Dance, nur leider meistens viel schlechter. Torsten Fenslau wurde in dieser Zeit verkannt. Er machte die Musik nicht um des Kommerzes Willen, sondern produzierte einfach begnadet gute, tanzbare Musik, die so überzeugend war, dass ein kommerzieller Erfolg nicht ausbleiben konnte. Als Mr. Vain aufkam, hatte die monetäre Ausrichtung des Techno längst Fahrt aufgenommen und war nicht abwendbar gewesen. Viele erfolgsversprechende, lukrative Techno-Versatzstücke hatten sich schon in den Schubladen der Musikindustrie angesammelt, Verträge waren längst unterschrieben und der Techno schon längst für die Schlachtbank vorbereitet.
Torsten Fenslau war leidenschaftlicher Techno-DJ der ersten Stunde und blieb sich und seinen Fans bis zuletzt treu. Er tüftelte unermüdlich an einem Sound, der auf geniale Art und Weise, eine elektrisierende Verbindung zur Tanzfläche schuf. Auch sein Darmstädter Freund Nosie Katzmann schuf diesen Sound mit, der zu einem überwältigenden Erfolg wurde,1993 war die Techno-Musik bereit für einen Chart-Erfolg und das in ganz Europa. Mr. Vain gefiel alten und neuen Techno-Fans gleichermaßen. Das Dorian Gray kochte in dieser Gründonnerstag-Nacht 1993 über. Der Song schlug Brücken und konnte für Wochen die neue und alte Szene beim feiern vereinen. Der endgültige Zusammenbruch der Techno-Bewegung kam erst Monate später. Viele Clubs mussten wegen der forcierten Drogenproblematik schließen. Techno blieb trotzdem - wenn auch einige Nummern kleiner und nur noch als ein Musikstil unter vielen. Außerdem werden immer wieder
Oldschool Techno Partys mit früheren Techno-Klassikern gefeiert.
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Vita Torsten Fenslau
Torsten Fenslau war der Visionär des "Sound of Frankfurt" und der wohl kreativste und produktivste DJ, Produzent und Manager der Technomusik in Deutschland. Der von Torsten Fenslau produzierte Song "Mr. Vain" von Culture Beat ist der vierterfolgreichste Dancefloortitel in Deutschland aller Zeiten. Keiner schaffte als DJ solch virtuose Sets - immer die richtige Mischung aus tanzbaren, treibenden Beats und elektonischen Hammerschlägen und hatte gleichzeitig so einen kommerziellen Erfolg.
Nach dem Architekturstudium in Darmstadt ging es 1981 los mit Torsten Fenslau´s DJ-Karriere. Im der Disco Lopos Werkstatt in Darmstadt lernte er Jens Zimmermann (siehe 4/08 ein Bericht in der Groove - Zimmermann macht heute Minimal-Elektromusik und tourt ab und zu mit dem Projekt durch die Lande) kennen mit dem er später einige Werke produzierte. 1988 war er dann DJ im Dorian Gray, Frankfurt/M., DJ in der HR3 Clubnight (bis zu 500.000 Zuhörer, er war Dj der allerersten
Clubnight am 5.5.90), desweiteren begnadeter Songwriter, Produzent und Re-Mixer im eigenen Tonstudio "paraDox" in Darmstadt. Dann sein eigenes Label
Abfahrt, ab 1990 eine eigene Edition "Get Into Magic" mit Jens Zimmermann und Nosie Katzmann (erfolgreicher Musikproduzent Darmstadt/Potsdam, der vor kurzen ein Best Of Album herausbrachte). Seine erste Produktion 1988 wurde direkt ein Erfolg - Out of the Ordinary "The dream". Später folgten u.a "Ideas 4 Imitators", "Klangwerk", "Culture Beat" und "LDC".
Auf dem Höhepunkt seiner Karriere verunglückte Torsten Fenslau am 06.11.1993 tödlich bei einem Autounfall. Torsten Fenslau hat eine Lücke hinterlassen die nie wieder gefüllt werden konnte. Er war und ist unersetzlich.
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Sehr empfehlenswert ist die CD-Compilation "Torsten Fenslau The Dream –Best of T. F.". Auf you tube gibt es eine Video-Reportage über Torsten Fenslau
T.F. im GrayAnspieltipps von Abfahrt und Torsten Fenslau Produktionen:
“12 LDC (F/Zw/Abr) T-Raumreise Dancepool/Sony 1992 * CD
“12 LDC (F/Zw/Abr) Die schwarze Zone Dancepool/Sony 1991 * CD
“12 Tyrell Corp. (F/Katz/Zi) Running Metronom/Abfahrt 1990 * CD
“12 Ideas 4 imitators (F/Zi) Der Komtur voice PeterEhrlich CBS1990CD
“12 Force Legato (F/Zi/Lieb) System ZYX 1989 * CD
“12 Out of the ordinary (F/Zi) Play it again remix(losNinosPaque)1989ZYX
LP Out of the ordinary The dream 1988 *CD
“12 Klangwerk (F/Zi/Zw/Abr) Die Kybernauten Part II ZYX 1990 *
“12 Klangwerk (F/Zw/Abr) Die Kybernauten ZYX 1989 * LP/CD
“12 Klangwerk (F/Zw/Abr) Warte bis es dunkel wird ZYX 1989 * teilsCD
“12 Culture Beat (F/Zi/Katz) Der Erdbeermund CBS 1989 * CD
“12 Culture Beat (F/Zi/Katz) I like you CBS 1990 * CD
LP Abfahrt Alone it´s me s. Techno-Club I 1989 * CD
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